Wie die Börse mir aufs Gemüt schlägt

Börse und Gefühle.. dies gehört so sehr zusammen, wie Nudeln und Käse, wie Sommer und Eis, wie Weihnachten und Gewichtszunahme 🙂

Niemand ist davor gefeilt. Egal wie sehr man es gewohnt ist oder nicht. Man wird von der Börse emotional mitgerissen. Je nachdem ob es im Konto nach oben oder nach unten geht.

Hierbei spielt die Kontogröße selbst auch eine Rolle. Aber auch, warum wir eine Aktion vorgenommen haben.

Die Gefühle bekommt man mit der Zeit in den Griff. Aber so ganz verschwinden diese nie. Zumindest würde ich das behaupten, da es bei mir so ist.

Schlechte Laune durch die Börse

Schlechte Laune bekomme ich glücklicherweise nicht mehr. Früher, gerade zu meinen Anfangszeiten, als ich mich noch im Daytrading versuchte, war das anders.

Da war ich euphorisch, wenn ich gewann und mies drauf, wenn ich verlor.

Doch auch heute noch hat die Börse einen gewissen emotionalen Einfluss auf mein Leben. Ob ich das nun will oder nicht.

Auch ich bin nicht vor Gier gefeilt. Es fällt mir mal einfacher, mal schwieriger mich der Gier zu entziehen. Zum Glück aber verfalle ich ihr nicht mehr und fange massiv an zu zocken.

Doch Gier resultiert meisten aus einer guten Börsenphase heraus. Man wird nicht gierig, wenn das Konto dick im Minus ist, sondern wenn es ein Hoch nach dem Anderen erklimmt.

Anders Angst. Diese resultiert aus einer schlechten Phase an der Börse. Angst habe ich aber an sich keine mehr. Zumindest nicht, wenn man sich ein paar Grenzen setzt.

Bei mir äußern sich schlechte Phasen in einer Art Dämmerzustand. Klingt komisch oder? Ist aber wirklich so.

Ich handle an sich weiter wie gehabt, aber nichts macht mehr richtig Spaß. So wirken sich schlechte Entscheidungen an der Börse, oder auch einfach schlechte Phasen, auf meine Leistungsfähigkeit aus.

Bei mir ist es so, das es nur halb so schlimm ist, wenn ich zumindest genügend in den Markt neu investieren kann, sodass ich meine Entscheidungen „ausgleichen“ kann. Sprich, schlechte Erfahrungen, mit guten Erfahrungen kompensieren kann.

Doch dies geht aktuell bei mir nicht.

Lufthansa zieht nicht nur mein Depot runter, sondern auch meine Laune

Lufthansa hat eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Die hat den Kurs massiv auf Talfahrt geschickt.

Warum ärgert mich das so sehr, wenn es doch ein Investment ist?

Weil ich, nachdem ich Lufthansa gekauft hatte, eine weitere Regel beim Kauf meinem kleinen Regelwerk hinzugefügt hatte. Diese Regel beinhaltete den Chart.

Mit der neuen Regel hätte ich Lufthansa nie kaufen dürfen. Und die Regel gab mir recht. Ich hatte meine Chancen Lufthansa zu verkaufen. Sogar mit Gewinn.

Doch ich habe es nicht gemacht. Nun zieht es mein Konto runter. Und dass, obwohl ich das Geld für andere Investments besser gebrauchen könnte.

Versteht mich hier nicht falsch. Mich ärgert hier tatsächlich nicht das Geld an sich, welches die Aktie momentan im Verlust ist. Sondern das ich Lufthansa nach dem Regelwerk gar nicht mehr hätte haben dürfen.

Sozusagen habe ich eine etwas eingetrübte Laune, weil ich mich nicht konsequent an mein Regelwerk gehalten habe. Demnach hätte ich Lufthansa verkaufen sollen. Und ich hätte es verkaufen können.

Der Teil, den es hätte nicht geben sollen

Komische Überschrift, oder? Dies liegt daran, dass dieser Abschnitt des Beitrages erst einige Tage nach dem oben geschriebenen, von mir geschrieben wurde.

Weiter oben schrieb ich, das Gier ein Resultat von guten Börsenphasen ist, Angst dagegen von schlechten Phasen.

Zuletzt hatte ich ein wenig Angst. Angst, eine massive Fehlentscheidung getroffen zu haben. Hier muss ich, auch zu mir selbst, so ehrlich sein, das ich diese Phase nur dank meiner schlechteren Erfahrungen überstanden habe.

Mit den schlechteren Erfahrungen meine ich eine Zeit, in der ich bald jeden Trade im Verlust geschlossen hatte. Dies war wohl eine meiner lehrreichsten Zeiten an der Börse und die Zeit, welche mich mental am meisten gestärkt hat.

Doch warum hatte ich Angst? Nun, Angst ist vielleicht als Wort oder Gefühl übertrieben. Doch ich war sehr besorgt.

Ich handle aktuell an der Börse mit einem Kredit. Damit meine ich nicht die Margin an sich, als normales Werkzeug. Ich meine einen richtigen, realen Kredit. Der auch nicht unbedingt klein ist. (nicht existenzbedrohend, aber auch nichts, was ich mal schnell aus der Portotasche abzahlen kann)

Und zuletzt gingen die Konten des Signaldienstes steil bergab… also schon recht steil^^ und schnell…. und das täglich…

Um es in Zahlen auszudrücken. Es war das erste Mal, das ich einen sehr guten, fünfstelligen Buchverlust hatte… da fing ich schon an nervös zu werden 🙂

Denn im schlimmsten Fall droht der Totalverlust. Den Kredit muss ich aber weiterhin abzahlen. Von meinem stark geschädigten Ego ganz zu schweigen. Da macht man sich schon Sorgen. Zumal ein Kind im Anmarsch ist. Also eine Zeit vor der Tür steht, in der Geld zu haben nicht das Schlechteste wäre.

Was macht man in so einer Situation? Nichts!

Und das meine ich ernst. Zieht euren Plan durch. Oder wenn ihr, wie ich, anderen Leuten vertraut und ihre Signale nachhandelt, dann vertraut denen. Ansonsten könnt ihr es auch sein lassen.

Die Börse ist wie eine Ehe. Ihr könnt nicht nur immer die tollen Tage mitnehmen. Die Sorgenfreien. Nein. Ihr müsst auch die scheiß Tage mitmachen. Oder die scheiß Wochen. Es ist halt nicht immer alles einfach. Egal wo im Leben.

Niemand ist vor seinen Emotionen sicher, auch wenn er es denken mag

Die Phase in meinen CFD Konten hat mir gezeigt, das man so erfahren sein kann wie man will. Es wird immer Phasen geben, in denen man ins Grübeln kommt, in denen man sich Sorgen macht oder regelrecht Angst bekommt.

Mit steigender Erfahrung wird es einfacher damit umzugehen. Man wird mehr gewohnt sein und es wird länger dauern, bis man sich Sorgen macht, da man viel kennt. (mit Erfahrung meine ich auch, sein Konto mal mehr wie nur 10 % den Bach runter gehen zu sehen 😉 )

Doch die Börse wird es immer wieder schaffen, euch Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Da könnt ihr euch noch sooft sagen, das statistisch alles ok ist. Wenn euer hart verdientes Geld sich mehr oder weniger in Luft auflöst, werdet ihr emotional drauf reagieren.

3 Kommentare

  1. Uihhh
    das sind dann die Artikel die meinen Neid auf aktiviere Anleger verblassen lassen wenn ich von den Schatten Seiten lese 😁
    Dann lieber wie bisher langweilig mit ETFs wenigen Aktien und völlig ungehebelt kreditfrei an der Börse und ein wenig thrill mit meinen p2p Anlagen! Dafür halt auch nur einstellige jährliche Rendite….
    Dir weiter gute Nerven vor allem dann auch wenn es mal wieder richtig kracht

  2. Ein sehr guter Beitrag, in dem viel wahres steckt. Man muss die Gefühle mal erlebt haben. Die Gefahr das man sich ein eigentlich gutes Regelwerk aufstellt, es dann aber für die Gier aufweicht bis man am Ende mit viel zu grossem Risiko handelt ist nicht zu unterschätzen.

    Ich glaube jeder von uns begeht den Fehler, das ist mehr als Menschlich. Und es ist ärgerlich, wenn man sieht das die vielen Monate an eigentlich guten Börsenentscheidungen durch seine eigene Gier zunichte gemacht werden. Bei mir waren es zwei Teslaoptionen, die mir fast zum Verhängnis geworden sind.

    Was ich da gemacht habe ist sein neues Regelwerk niederzuschreiben und über dem PC aufzuhängen, sodass man ständig daran erinnert wird. Wenn man es nur Mental macht und es sich im Kopf dann irgendwie zurecht legt wird man es brechen. Garantiert. Schriftlichkeiten sind da verbindlicher und ich merke dadurch auch, dass ich das neue Regelwerk konsequenter einsetze und damit auch besser Schlafe. Es nimmt die Emotionalität raus. Und dadurch auch die schlechte Laune. Klar juckt es einem ein wenig ins Risiko zu gehen, besonders jetzt wo die Börsen nur nach oben jagen. Jedoch wird es mit konsequenter Einhaltung der eigenen Regeln zur Routine und man hat kein Bedürfnis nach dem Risiko, so geht es jedenfalls mir.

    Bei Investitionen in Aktien sehe ich das jedoch ein wenig anders. Da bin ich durchaus der Meinung, dass man etwas tun sollte, wenn man sich mit einem Investment unwohl fühlt. Damit meine ich nicht die Kursverluste, die gibt es in jedem Investment früher oder später, schon alleine bei Ereignissen wie 2008, nein, oft ist es die Positionsgrösse, die einem Angst macht. Da bin ich persönlich durchaus der Meinung das man ein Teil verkaufen kann und auch einen Verlust realisiert, um mit dem Geld dafür Aktien zu kaufen, mit denen man sich wohl fühlt und auch beim alten Investment auf eine Grösse ist, bei der man sagen kann „joa, die grösse passt mir, die kann von mir aus schwanken, ich mache mir da keine Sorgen. Die wird schon irgendwann mal steigen.“

    Risiko ja, aber gerne in einem Ramen, wo man zu jeder Zeit auch sagen kann, dass man es unter Kontrolle hat.

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