Warum investieren wir?

Ich habe mich zuletzt beim spazieren gehen mit meinem Hund mit der Frage beschäftigt, warum wir eigentlich investieren?

Warum verzichten wir jetzt auf die schönen Sachen im Leben und legen unser Geld in Immobilien oder Aktien an?

Warum setzten wir uns den Strapazen aus? Warum gehen wir nicht einfach stumm jeden Tag auf Arbeit und warten auf unser Wochenende?

Die erste Antwort wird sein, wir investieren, um halt nicht mehr jeden Tag auf Arbeit zu müssen. Um unabhängiger zu werden, vielleicht sogar finanziell frei.

Für mich persönlich ist dies aber nur die „politisch korrekte“ Antwort, nicht die ehrliche Antwort.

 

Warum investiere ich persönlich?

Ich persönlich investiere in zwei verschiedenen Formen. Einerseits investiere ich in ETFs. Dies mache ich rein zur Altersvorsorge. Aktuell jeden Monat insgesamt 200 €. Sobald man wieder US-ETFs hat, werden weitere 100 € dahinfließen.

So ist der Plan einfach. 300 € pro Monat werden später einmal in ETFs fließen für die Altersvorsorge. Oder anders, mindestens 10 % meines Nettoeinkommens.

Dies ist bei mir der eine Teil.

Der zweite Teil ist meine Abzahlstrategie.

Doch warum investiere ich hier in Einzelaktien und handle darüber hinaus noch mit Optionen auf die Bestände?

Weil ich denke das hier meine reale Chance liegt, tatsächlich mal wohlhabend zu werden. Nicht in ETFs, sondern in Einzelaktien und dem Management dieser.

 

Und nun die Wahrheit

Wenn ich aber ganz, ganz ehrlich zu mir selbst bin, gibt es einen anderen Grund dafür.

Weil ich besser sein will, wie der Rest.

Dafür schäme ich mich auch nicht. Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird feststellen, das man allgemein in Immobilien oder Aktien investiert, weil man besser sein will, wie seine Kollegen, Freunde, Bekannte.

Man will damit erreichen, mehr Vermögen aufzubauen. Es schneller aufzubauen. Ich gehe soweit, das man es auch macht, weil man dann als „Experte“ dasteht.

Ich sehe es in meinem eigenen Kollegenkreis. Wenn jemand Fragen zur Anlage hat, kommt man zu mir. Warum? Weil ich der Einzige bin, dem es Spaß macht, damit seine Zeit zu verbringen.

Und glaubt mir, es wäre von mir selbst gelogen, wenn ich behaupten würde, das ich es nicht in einem gewissen Maße genießen würde.

Somit investiere ich nicht nur, um besser zu sein als Andere.

Ich investiere auch, weil es meinem eigenen Ego guttut. So wird es einigen gehen.

Auch wenn man jetzt aufschrecken möchte, laut in sich selber „NEIN, das stimmt nicht“ sagt, ändert es nichts.

Es ist an sich auch nichts Verwerfliches dran. Der Mensch ist so. Man macht sehr viele Dinge nur für die Anerkennung, für sein eigenes Selbstwertgefühl.

Doch was machen wir, sollten wir Erfolg haben?

Was machen wir mit dem angehäuften Geld?

 

Wir sind das Fundament und der Grundstein

Tatsächlich habe ich mich schon gefragt, was mache ich, wenn ich mein eigenes Ziel nicht erreiche?

Was wenn ich zwar viel Geld ansammle, es aber nicht mehr benötige? Weil ich zu lange gebraucht habe und zu alt bin?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, das es so kommen wird. Und hier tröstet mich ein Gedanke.

Es wird viele wie mich geben. Die kein Geld geerbt haben. Die kein nennenswertes Startkapital hatten. Die nur gute Voraussetzungen für die Zukunft hatten, jedoch ohne Geld.

Meiner Meinung nach machen wir das nicht für uns. Wir sind nur ein Teil, das Fundament, der Grundstein.

Ich möchte dazu einen kurzen Einblick in meine eigene Familie geben, um zu verdeutlichen, was ich meine.

Mein Vater kommt aus einer armen Familie. Er hatte schlechte Voraussetzungen. Und ich meine, wirklich schlechte Voraussetzungen.

Doch er hat es geschafft, sich etwas aufzubauen. Etwas Vermögen aufzubauen. Mir eine geregelte und sorgenfreie Kindheit zu verschaffen.

Nun ist es an mir, auf diesem Fundament weiterzumachen. Ich sehe mich als die zweite Generation, die unsere Familie voranbringen kann.

Ich bin sozusagen der Grundstein auf dem Fundament.

Ich habe mir selbst Finanzwissen angeeignet und ich werde Geld ansparen, über das Investieren vermehren und später meinen Kindern dieses Wissen weitergeben.

 

Somit werden meine Kinder viel schneller lernen wie ich. Sie werden von mir den Umgang an den Märkten lernen. Sie werden irgendwann Aktien erben und diese weitermanagen. Zusätzlich zu ihren eigenen.

Den Schneeball, welchen ich anfange zu rollen, werden meine Kinder weiterrollen. Somit hört das Ziel Reichtum nicht bei mir auf. Vielmehr sehe ich mich selbst als Anfang.

Derjenige, dem die Möglichkeit gegeben wurde, anzufangen. Mein Vater hatte diese Möglichkeiten nicht. Aber er hat sie mir gegeben.

 

Investieren wir in Wirklichkeit für unsere Kinder, Enkel und Urenkel?

Es mag ein wenig wie beim Pate klingen. Vielleicht ist es aber gar nicht soweit hergeholt. Sind wir mal ehrlich. Die Wenigsten werden von uns die finanzielle Freiheit erreichen. Dafür fehlt den Meisten einfach das Kapital.

Aber wir können den Grundstein dafür legen, das es unsere Kinder schaffen.

Sollten wir unsere Kinder klug in Finanzen unterrichtet haben, werden sie das Geld nicht raushauen, sondern weiter vermehren. Sodass unsere Urenkel noch mehr haben. Möglicherweise können dann unsere Urenkel tatsächlich frei leben.

Vielleicht gibt es dann genügend Geld und Vermögenswerte in der Familie, das unsere Urenkel die erste Generation unserer Familie sein werden, die wirklich fei entscheiden können, was sie tun wollen.

Ich für meinen Teil sehe das als mindestens genauso wichtiges Ziel an, wie selbst den Versuch zu starten, finanziell frei oder freier zu werden.

Denn in jeder großen, reichen Familie, welche es heute gibt, hat irgendwann einmal ein Mann oder eine Frau angefangen. Vielleicht sind wir das für unsere Familien.

 

An seinen Vorfahren kann man nichts ändern, aber man kann mitbestimmen, was aus den Nachkommen wird.

François de La Rochefoucauld

Kommentare (10)

  1. Die Erkenntnis, dass bei den geldigen Familien einer ja mal damit angefangen haben muss ist mir neulich auch gekommen ?.
    Ich möchte ich finanziell frei sein, um später meinen Beruf(Arzt) nach meinen Bedingungen ausüben zu können. Weg von den zerstörerischen Nachtschichten. Weiterbildungen wann und so lange ich will. Zeit für andere Interessensgebiete.
    Ja und mir gefällt es auch Kollegen, die wieder mal jammern, sagen zu können: „Du kannst es auch anders haben, es ist leichter wie gedacht.“ OK und wenn ich ehrlich bin wäre der Gipfel der Genugtuung meinen karrieregeilen Zeitgenossen, die sich mit Ellenbogen noch mehr ins Hamsterrad reinmanövriert haben, ab einem gewissen Alter etwas voraus zu haben. Der Erfahrung nach machts da nämlich erst mit 50+ „Klick“, wenn es zeitlich eng wird.
    Was meine Kinder angeht will ich einfach, dass sie machen können was sie interessiert. Mit Geld im Rücken kann man dann auch Kunstgeschichte oder Philosophie ohne Angst vor der Zukunft studieren ?

    Auf jeden Fall ein sehr anregender Artikel! Danke

    Antworten
  2. Also das Ego hat bei mir nichts damit zu tun, ehrlich nicht. Solltest nie von Dir auf andere schließen.
    Für mich ist es wichtig, eine gewisse Sicherheit zu haben. Ich schlafe einfach viel ruhiger und gehe entspannter zur Arbeit, wenn ich weiß, dass mich mein Vermögen im schlunnsten Fall mehrere Jahre über Wasser halten könnte.
    Irgendwann weniger zu arbeiten, auf Teilzeit zu gehen, ist natürlich auch cool, um mehr Energie für eigene Interessen zu haben.
    Ich rede eigentlich kaum über mein Finanzwissen. Ich erkläre höchstens in 1-2 Sätzen, was ich mache, wenn andere mal wieder stolz erklären, dass sie mit einem Riester-Vertrag vorsorgen. Das Interesse an Details zu meinen Standard-ETFs ist in der Regel sehr gering oder ich werde als Zocker abgetan, denn die Finanzkrise ist nich recht präsent in den Köpfen der Menschen.
    Da ich keine Kinder haben will, ist vererben auch kein großes Thema.

    Antworten
  3. Vielen Dank für den interessanten Artikel.

    „Den Schneeball, welchen ich anfange zu rollen, werden meine Kinder weiterrollen… Sie werden irgendwann Aktien erben und diese weitermanagen.“

    Wenn ihr Kinder normal sind, dann werden sie eine eigene Persönlichkeit entwicklen und versuchen ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Seien Sie nicht traurig oder hart zu den Kindern falls die doch etwas anderes mit dem Geld machen. Ihre weitergegebene Finanzbildung wird sicherlich einen Grundstein legen. Sie sollten meiner Meinung nach aber „die Schneeball weiter rollenden Kinder“ nicht als Grund für Ihre Aktienkäufe nehmen.

    Übrigens, da stehe ich gerade auf dem Schlauch: Was heisst den ‚US‘ in dem Zusammenhang?
    „Sobald man wieder US-ETFs hat…“

    Antworten
  4. Kurz und knapp: Ich investiere (in ETFs),
    – um im Alter nicht auf die Rente angewiesen zu sein
    – um mich von den Konsumidioten abzugrenzen, die bei Finanzthemen nur blöd gucken

    Mit meinem (noch kleinen) Vermögen bin ich jetzt schon in der Lage, mir so ziemlich alles in bar kaufen zu können (abgesehen von Porsche und Haus). Das ist ein angenehmes Gefühl und führt bei mir gerade dazu, dass ich mir denke: „Jo, könnte ich kaufen, aber überlass das mal den Konsumidioten“. Soll heißen: Allein der Gedanke, dass ich könnte, führt immer öfter dazu, dass ich mir sage: „Nicht nötig, lass mal“.

    Antworten
  5. Dazu passend ein Phänomen, das der Maschinist erwähnt hat. Es nennt sich die „3 Generationen“-Regel und besagt, dass die zweite Generation das aufgebaute Vermögen der ersten oft nur verwaltet, bevor es schließlich die 3. Generation auf den Kopf haut. Eine Ursache dafür liegt vermutlich in den unterschiedlichen Verhältnissen, in denen die jeweiligen Generationen aufgewachsen sind, und der daraus resultierenden Motivation, Geld wachsen zu sehen. Hat mir gut gefallen und trifft indirekt Deine Aussage, Dominik.
    Cheers!

    Antworten
  6. Hallo Kapitalist,

    Ich sehe investieren eigentlich gar nicht als etwas an, das viel Stress verursacht oder Zeit benötigt, wenn man einen passenden und möglichst einfachen / automatischen Ansatz hat – deshalb nutze ich fast ausschließlich Standard-ETFs.

    Für mich war es sogar dann so, dass es mir Spaß gemacht hat mich mit den Details des investierens, den Mechanismen dahinter und einigen wissenschaftlichen Studien zu beschäftigen.

    Das WARUM ich investiere ist für mich mein Traum davon, dass ich gerne sehr lange reisen und an verschiedenen Orten leben möchte 🙂

    Und dafür werde ich idealerweise finanziell frei! Deshalb habe ich angefangen mich an meiner „Freiheitspyramide“ hochzuarbeiten:
    https://thorstenhartmann.de/die-freiheitspyramide-fuer-das-langzeitziel-finanzielle-freiheit/

    Wobei ich auch keine Kinder habe, weshalb die Motivation „vererben“ wegfällt…

    Viele grüße
    Thorsten

    Antworten
  7. Gute Frage, die mich auch öfter mal beschäftigt.

    Meine kurze Antwort: Investieren macht mir einfach Bock. Die lange Antwort: Ich bin intrinsisch motiviert zu investieren. Ich muss mich nicht zum Sparen zwingen, das Geld ist am Monatsende übrig. Zusätzlich möchte ich unabhängiger werden (muss nicht mal finanziell frei sein). Es macht Spaß, wenn ich mir z.B. überlege, dass ich etliche Arbeitsstunden pro Jahr mit meinen Investments aussetzen könnte – ohne „Gehaltseinbußen“. Mir macht es Spaß, über Investmentstrategien und die Börse zu lesen. Mich weiterzubilden und direkt praktischen Nutzen daraus ziehen zu können. Ist auch wirklich nett, wenn ich mit Freunden oder Kollegen über Geldanlage sprechen kann. Und ein bisschen kann es einem natürlich schon schmeicheln, wenn man als kleiner Finanzexperte gilt.

    Vielleicht bin ich für sowas noch zu jung, aber ich würde es ablehnen, meinen Nachkommen größere Summen an Geld zu hinterlassen. Finanzbildung unbedingt, Kohle aber nicht. Liegt wohl aber auch daran, dass für mich der Weg des Vermögensaufbaus mit das Ziel ist. Mir macht’s im Moment einfach Spaß. Und wie möchte man lernen, mit Geld umzugehen, wenn man es einfach direkt hat?

    Mag sich komisch anhören, aber ich bin wirklich froh darüber, dass ich nicht mit Millionen auf dem Konto auf die Welt kam. Wäre mir wahrscheinlich zu langweilig.

    Was soll es überhaupt bringen, große Vermögen zu vererben? Dann spende ich lieber den Großteil und hinterlasse meinen Nachkommen ein nettes Sümmchen, mit dem sie ins Investieren einsteigen können + Finanzbildung. Mehr aber auch nicht. Möglicherweise ändert sich meine Einstellung dazu noch im Laufe der Jahre, aber momentan sehe ich keinen Nutzen darin, über Generationen hinweg Vermögen anzuhäufen.

    Cooler Artikel!

    Grüße
    Dominik

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*