Warum ich keine cash secured Puts mehr verkaufen werde

Ich hatte lange nicht mehr über meine Strategie geschrieben. Der Grund war einfach, es gab nichts zu schreiben 🙂

Jedoch habe ich für mich eine recht interessante Lösung für eines meiner Probleme gefunden.

Dazu nochmal eine kurze Erklärung, wie meine Strategie abläuft. Ich suche mir über meine Grahamformel unterbewertete Aktien. Im Optimalfall habe ich bei der Aktie sogar das Geld, mir direkt 100 Aktien kaufen zu können.

Dies mache ich aber nicht. Stattdessen verkaufe ich cash secured Puts. Somit nehme ich bereits Geld ein, ohne die Aktien zu besitzen.

Eine genauere Anleitung meiner Strategie könnt ihr hier nochmal finden.

Grundsätzlich eine sehr gute Strategie. Das Risiko liegt in der Aktie, jedoch erhalte ich auf jeden Fall bereits Geld. Aber der große Nachteil dieser Vorgehensweise ist, was passiert, wenn die Aktie direkt steigt?

Natürlich kann ich weiterhin Puts verkaufen und so jedes Mal Einnahmen generieren. Aber was ist, wenn wir nicht in die Aktien reinkommen? Dann wäre es die bessere Wahl gewesen, direkt die Aktien zu kaufen. Doch das kann man vorher nicht wissen.

synthetische Aktien auflegen als Lösung

Ich will also an steigenden Kursen teilhaben, ohne aber die Aktien direkt schon kaufen zu müssen. Sollten aber die Aktien fallen, will ich das mir diese eingebucht werden. Das schreit nach Optionen für eine Lösung 🙂

Und natürlich liefern die Optionen hier eine Lösung. So kann man Aktien synthetisch mit Optionen nachbilden.

Um eine Aktie direkt nachzubilden, kauft man am Geld einen Call und verkauft am gleichen Strike mit gleicher Laufzeit einen Put. Und schon hat man dasselbe Risikoprofil wie bei einem normalen Aktieninvestment, muss aber sehr viel weniger Margin hinterlegen!

Der Nachteil daran ist aber, das ich so auch gleich die Aktien direkt kaufen könnte. Ich habe ja im Idealfall das Geld für 100 Aktien und ich suche nicht nach einer Strategie, welche marginoptimiert ist.

Der eigentliche Vorteil kommt jetzt. Ich kann direkt einen Call mit höherem Strike und gleicher Laufzeit verkaufen. Dieser kostet keine zusätzliche Margin und erhöht auch nicht unser Risiko. Denn der short Call ist durch den long Call gesichert.

Jetzt könnte man den Einwand bringen, warum man denn nicht gleich einen PMCC aufsetzt. Ganz einfach. Bei einem PMCC fällt der short Put weg, welcher aber unseren long Call bezahlt. Ein PMCC muss immer erst im Wert steigen, um überhaupt auf Breakeven zu kommen.

Mit dieser Art des covered Calls dagegen, nehmen wir wieder Einnahmen ein (short Call Prämie) ohne die Aktien zu besitzen. Gleichzeitig aber partizipieren wir an steigenden Kursen (durch long Call).

Durch die Prämie des short Calls besitzen wir ein kleinen Puffer nach unten in der Aktie. Da aber der long Call und der short Put am Geld verkauft werden, ist der Puffer relativ gering.

Tatsächlich aber eignet sich diese Variante am besten dazu, wenn man das Geld nicht wirklich hat, sich direkt 100 Aktien zu kaufen. Man also eher versucht, seine Margin zu optimieren oder einen schnellen Trade eingehen will.

Denn das Problem hier ist, das man das exakt gleiche Profil hat, wie bei einem normalen covered Call. Nur mit dem kleinen Vorteil, dass man vielleicht den Put rollen könnte.

Eine zweite Variante der synthetischen Aktie, welche interessanter ist

Eine zweite mögliche Variante, welche ich zukünftig wohl einsetzen werde, ist folgende.

Ich kaufe einen Call am Geld. Somit sichere ich mir, dass ich an steigenden Kursen partizipiere, ohne die Aktien zu besitzen. Das Problem nun ist, dass der Kurs aber erstmal steigen muss, das ich überhaupt auf Break-Even komme. Dies liegt an der gezahlten Prämie.

Um dies zu kompensieren und den gezahlten Zeitwert des long Calls wieder zurückzubekommen, verkaufen wir einen Call zwischen Delta 20 und Delta 30. Dadurch nehmen wir Prämien ein, ohne aber unser Risiko zu erhöhen.

Bis jetzt haben wir einen kurzlaufenden PMCC gebastelt. Auch haben wir noch nicht den kompletten Zeitwert des long Calls wieder eingenommen.

Also verkaufen wir noch einen Put. Auch dieser sollte sich zwischen Delta 20 und 30 bewegen. Mit dieser zusätzlichen Prämieneinnahme sollten wir es geschafft haben, den long Call komplett refinanziert zu haben.

Wir haben es also geschafft, kostenlos einen Trade einzugehen und die Chance zu haben, an einer Kurssteigerung teilzunehmen.

Gleichzeitig haben wir es auch geschafft, sollte der Kurs noch ein wenig fallen, die Aktien zu einem niedrigeren Kurs als aktuell, eingebucht zu bekommen.

Der einzige Nachteil ist, das man wahrscheinlich nur eine sehr minimale Prämie als Einnahme erzielen wird. Wenn überhaupt.

Hier muss man für sich entscheiden, ob einem die Prämie eines einfachen Puts mehr wert ist, wie die Möglichkeit an den Kurssteigerungen bereits teilnehmen zu können, ohne nur einen Cent dafür zu riskieren. Gegenüber dem Put natürlich.

Hier noch eine kleine Studie dazu von Tastytrade. Es macht keinen wirklichen Unterschied, ob man einen normalen covered Call eingeht, oder den synthetischen covered Call.

3 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    danke für deinen interessanten Beitrag. Ich finde es immer wieder spannend, mich in solche Strategien hineinzudenken und mir die Vor- und Nachteile zu überlegen.

    Bei der ersten Strategie sehe ich zwei Nachteile gegenüber cash secured short puts und anschließenden covered calls nach Einbuchung. Erstens sind die Transaktionskosten natürlich höher als bei einem einfachen covered call. Und mir ist die Phase eigentlich lieber, in der mir die Aktie noch nicht eingebucht wurde, da hier mein Kapital noch nicht fest an die Aktie gebunden ist. Bei steigenden Kursen kann ich mir eine andere unterbewertete Aktie suchen und meine Rendite pro Zeit möglicherweise durch früheren Rückkauf steigern.
    Diese Phase entfällt bei dir, da du gleich zum (synthetischen) covered call übergehst.

    Die zweite Strategie entspricht ja im Grunde einem short Put mit höheren Transaktionskosten, nur dass die sichere Prämie gegen ein ungewisses Delta zwischen Start- und Endkurs, bzw. Start- und Kurs des verkauften Calls liegt. Also größere Ungewissheit und wahrscheinlich auch größere Chancen.

    Ich bleibe da wie die Finanzmixerin lieber auf der sichereren Seite der festen Prämie.

    Viele Grüße
    Niklas

  2. Hallo lieber Kapitalist,

    ich handele auch Short Puts. Irgendwie bekomme ich einen Knoten im Kopf, wenn ich so viele Vokabeln über Optionen in einem Artikel lese. Aus dem Grund werde ich wahrscheinlich nie meine einfache Strategie verlassen. Short Puts und ggf. mal Covered Calls. Das passt für mich. Die Rendite stimmt auch.

    Viele Grüße

    Tanja

    • Hallo Finanzmixerin,

      daran ist auch nichts auszusetzen 🙂

      Bei der Variante, welche ich nun nutzen möchte, verdiene ich halt nichts mehr, bevor ich die Aktien habe. Also wie du über den Verkauf des Puts. Dafür kann ich von steigenden Kursen profitieren, ohne einen Cent eingesetzt zu haben.
      Es hat alles seine Vor- und Nachteile

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