Sinnfreie Konsumausgaben durch den Diderot-Effekt?

Kennt ihr den Diderot-Effekt? Dies ist ein psychologisches Phänomen. Zum Teil ist er der Grund, warum sich Leute mehr kaufen, als sie müssten. Weshalb Leute so viel Geld für neue Sachen ausgeben, obwohl die alten Sachen ihren Zweck immer noch erfüllen.

Also ich persönlich habe zum ersten Mal auf einen englischsprachigen Blog davon gehört.

Beim Diderot-Effekt geht es um folgendes Problem.

Herr Diderot schrieb einen kleinen Text zu folgendem Problem welches er hatte. Wer den Text gerne mal lesen möchte, hier klicken.

Also im Grunde ging es darum. Herr Diderot war ein Schriftsteller. Nicht besonders wohlhabend, aber es reichte. Durch ein paar glückliche Umstände, in denen Katharina die Große nicht ganz unbeteiligt war, kam der gute Mann zu einem neuen Hausrock.

Und hier begann sein Problem.

Er lebte in einfachen Verhältnissen, besaß nun aber einen recht prunkvollen Hausrock. Was glaubt ihr, was nun sein Problem war?

Na, schon draufgekommen? Stellt euch vor, ihr lebt unter der Brücke, fahrt aber einen brandneuen Porsche.

Das passt nicht wirklich zusammen oder? So ging es Diderot. Seine Schuhe passten nicht zum neuen Hausrock. Also als Konsequenz machte er das einzig richtige…. er kaufte neue Schuhe 🙂

Und so ging das weiter. Der Sessel passte nicht mehr zum Outfit.. zum neuen Sessel passte der alte Tisch nicht mehr und so weiter.

Am Ende hat Diderot alles neu gekauft. Nicht weil die alten Sachen kaputt waren, oder ihren Zweck nicht erfüllt hätten. Nein. Er hat alles neu gekauft, das es zusammenpasst. Das es aufeinander abgestimmt ist. Einfach nur, das es dem Stand seines neuen Hausrockes gerecht wird.

Hand aufs Herz. Jeder hat einen kleinen Diderot in sich

Wenn wir ehrlich sind, hat jeder von uns schonmal etwas gekauft, nur weil es zu einer anderen, neueren Sache nicht mehr passte.

Ein kleines Beispiel bei mir. Mein PC ist echt cool. Vier Bildschirme, endlos Arbeitsspeicher, top Prozessor und natürlich nur SSD. Aber bei der Grafikkarte hatte ich gespart.

Der PC sollte lediglich in der Lage sein, mindestens 4 Bildschirme anzusteuern und möglichst viele, Ressourcen fressende Programme gleichzeitig auszuführen.

Es sollte kein Gaming-PC werden. Obwohl er alle Voraussetzungen dafür hatte. Halt außer der Grafikkarte.

Letztendlich habe ich mir dann doch eine neue Grafikkarte gekauft. Da diese natürlich auch nicht die schlechteste sein durfte, war ich gleichzeitig gezwungen, ein neues Netzteil zu kaufen. Auch bei diesem sparte ich nicht. Sondern kaufte ein Netzteil, welches mir gleichwertig mit den anderen Komponenten erschien.

Zusammen kostete mich das einen guten dreistelligen Betrag. Vierstellig bin ich zum Glück nicht geworden, obwohl ich selbst damit liebäugelte. Aber das war einer meiner Diderotmomente.

Mein PC und seine Komponenten machten genau das, was sie sollten. Aber es ärgerte mich, das da eine Komponente war, welche es „nicht würdig“ war, im Case meines PCs zu verweilen.

Und heute? Hat mir die neue Grafikkarte was gebracht? Nicht wirklich. Ok, ich spiele ab und an eine Runde Civilisation 6. Aber dafür hätte ich mir auch eine schwächere Karte kaufen können. Bzw. für die paar Runden im Jahr hätte ich es auch lassen können.

Der Diderot-Effekt beim Einkommen

Aber auch beim Einkommen sind wir von diesem Effekt nicht wirklich sicher. Man kennt es und jeder Blog warnt davor.

Wenn das Einkommen steigt, steigen meist auch die Ausgaben. In meinen Augen fällt das auf denselben psychologischen Effekt zurück. Warum?

Weil der materielle Standard dann nicht mehr zum Einkommen passt. Es mag dumm klingen, in Wirklichkeit ist es das auch, aber man kann es oft beobachten.

Als Beispiel. Wie sieht es denn aus, wenn man als Manager in einem Dax Unternehmen mit einem alten vierer Golf vorfährt? Egal ob dieser seine Aufgaben noch in voller Zufriedenheit erfüllt.

Irgendwie passt es nicht oder? Ich gehe vielleicht sogar soweit, das dieser Effekt zum Teil von der Gesellschaft aufgezwungen wird. Denn die Gesellschaft an sich meckert zwar, wie viel so ein Manager verdient, aber sie bezeichnet den Manager auch als Geizhals, würde er nur einen vierer Golf fahren.

Ganz nach dem Motto, der kann es sich doch eigentlich leisten. Somit passen viele Menschen ihr Umfeld ihrem Einkommen an. Man will ja zeigen, was man verdient. Denn reden darf man in Deutschland über seinen Verdienst ja nicht, also muss man ihn zumindest zeigen, oder?

Wie denkt ihr darüber?

4 Kommentare

  1. Ich hatte versucht, den Diderot-Effekt für mich zu nutzen. Direkt vor meinem Bürofenster befinden sich die Parkplätze der beiden Geschäftsführer, ein Gästeparkplatz und mein Parkplatz. Also ist dort ein übliches Bild: Ein 5er BMW, ein Audi A6, was auch immer der Gast fährt, A6, Superb, 7er, …
    Daneben steht dann mein 20 Jahre alter Polo. Nun müsste doch einer der Chefs mal auf die Idee kommen, dass man mir ein Auto verpassen müsste, das besser in dieses Bild passt. Bis jetzt ist das leider nicht geschehen.

  2. So ist es! Einen ähnlichen (oder vielleicht gehört es zum Diderot-Effekt) Effekt erlebe ich, wenn man ein „neues Hobby“ für sich entdeckt. Nehmen wir das Boxen: Die erste Investition ist die laufende Mitgliedschaft im Club. Dann kauft man sich die Ausstattung, merkt aber nach drei Wochen, dass es bessere Boxhandschuhe gibt – die auch alle anderen im Club haben. Dann will man auch zu Hause was tun und richtet sich ein kleines Fitnessstudio ein. Dann…

    • Ja, der Effekt trifft einen wirklich überall. Und es ist teils schwierig dagegen anzukommen.

      Aber es ist interessant zu wissen, das es dafür eine Erklärung gibt^^

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