Der Rumrutschfaktor

Neulich hatte ein Freund von mir Geburtstag. Jeder in meinem Freundeskreis weiß, dass ich an der Börse tätig bin. Keiner weiß aber, was ich da verdiene oder was ich eigentlich so richtig mache.

In meinem Freundeskreis gibt es sonst nur noch einen, der ebenfalls Aktien handelt. Er fragt mich ab und an auch mal nach Meinungen. Sein Konto bzw. das für Investitionen zur Verfügung stehende Vermögen, ist auch nicht zu unterschätzen.

Auf jeden Fall war mein Kumpel in Microsoft drin. Er war etwas aufgeregt deshalb und fragte mich auch nach meiner Meinung. Er sprach davon, dass er stark im Verlust war.

Ich selbst musste erst nachsehen, was bei Microsoft los war. Wenn ich Aktien nicht besitze oder vorhabe mich in ein Unternehmen einzukaufen, habe ich diese nicht im Blick.

Ich sah den Chart von Microsoft. Aber ich verstand nicht, was sein Problem war. Die Aktien von Microsoft haben ein wenig korrigiert. Doch das waren nur wenige Prozent. Eine sehr flache und recht kurze Korrektur.

Aber es hatte gereicht meinen Kumpel ins Schwitzen zu bringen. Warum?

Da er mehr Geld in diesem einen Unternehmen hatte, als es ihm guttat. Er hatte nicht auf seinen persönlichen Rumrutschfaktor geachtet.

Der Rumrutschfaktor ist eine psychologische Größe

Der Rumrutschfaktor ist der Zeitpunkt, an dem ihr merkt, dass ihr zu viel Geld riskiert. Er zeigt den Zeitpunkt an, an dem nichts außergewöhnliches passiert, ihr aber anfangt, in eurem Stuhl rumherzurutschen und ständig auf die Kurse schaut.

Der Faktor ist dabei nicht fest. Wenn euer Konto wächst, steigt meist auch der Faktor mit an. Ich war früher schon aufgeregt, wenn mein Konto 100 € oder 200 € schwankte.

Heute stört es mich gar nicht mehr, wenn meine Aktien schwanken. Natürlich, wenn alle gleichzeitig runter gehen, ärgert es einen. Aber ich werde dabei nicht nervös.

Anders sehe es natürlich aus, wenn mein komplettes Geld in einem Unternehmen wäre. Ich also alles auf eine Karte setze. Und das investierte Geld nicht so einfach wiederzubeschaffen wäre. Dann wäre ich aufgeregt bei Kursrücksetzern, da die Bewegungen zu groß für mich wären.

Auch wenn der Rumrutschfaktor „nur“ eine psychologische Größe darstellt, bringt diese uns dazu, Fehler zu begehen. So können wir bei zu großen Positionen zu schnell Angst bekommen und die Aktien verkaufen.

Obwohl nichts schlimmes mit der Aktie passiert ist, diese vielleicht nur 5 % korrigiert hat (unser Konto bei All-In im Übrigen auch nur) ertragen wir die absolute Zahl nicht. Also verkaufen wir frühzeitig.

Wir können bei einer zu großen Position aber auch gierig werden und dann ängstlich. Wir haben Angst, die Gewinne wieder zu verlieren. Anstelle die Gewinne laufen zu lassen, verkaufen wir wieder zu früh.

Diversifikation mildert den Effekt

Teilen wir unser Geld auf mehrere Unternehmen auf, mildern wir diesen Effekt ab. Da einzelne Schwankungen nicht mehr so eine enorme absolute Zahl zeigen.

Geht das ganze Konto nach unten, ist man trotzdem meist erstmal etwas ängstlich. Aber auch hier hilft, psychologisch gesehen, die Diversifikation, da wir wissen, dass alles runter geht und wir nicht auf das falsche Pferd gesetzt haben.

Die Diversifikation kann nicht verhindern, dass wir im Zweifelsfall den Fehler machen und einfach alles verkaufen. Sie kann uns nur in unserer psychischen Schwäche (die völlig normal ist) unterstützen, um durchzuhalten. Durchzuhalten, wenn ein Drawdown kommt, welchen wir so noch nicht erlebt haben.

Uns kann im Zweifel aber auch helfen, Aktien bzw. die Unternehmen dahinter selber einmal ein wenig zu analysieren. So haben wir vielleicht selber vertrauen zu uns.

Was man unterlassen sollte ist, nicht so sehr auf andere Analysen zu hören. Man kann diese in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen, aber wenn ich mich dazu entschlossen habe, eine Aktie zu kaufen, sollte man diese Analysen ausblenden.

Warum? Weil sie einen ins Grübeln bringen und möglicherweise Zweifeln lassen. Dabei gilt aber, frage 5 Börsianer nach einer Aktie und du wirst 6 Meinungen haben.

Eine Möglichkeit, oder anderes gesagt, meine Variante, wie ich Aktien finde, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. Ich habe da auch beschrieben, was Aktien für mich maximal kosten dürfen. Ich denke, wenn man sich grob daran hält, hat man auch seinen Rumrutschfaktor gut im Griff.

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