Covered Calls in der Praxis – Was machen, wenn die Aktie fällt?

Vor einigen Wochen hatte ich einen Artikel darübergeschrieben, weshalb ich der Meinung bin, das jeder Investor Calls schreiben sollte.

In diesem Artikel hatte ich meine Aktien bei Lufthansa als Beispiel genommen. Zu dem Zeitpunkt war Lufthansa unter meinem Einstiegskurs und mehr oder weniger in einer größeren Seitwärtsphase.

Einige Zeit nach dem Artikel verkündete Lufthansa eine Gewinnwarnung und rauschte nach unten. Nun stellte ich mir die Frage, die sich wohl viele stellen werden, die Calls auf ihr Bestände verkaufen.

Was tun? Weiter Calls verkaufen? Mit der Gefahr, das die Aktien im Verlust ausgebucht werden?

Tatsächlich denke ich, das dies eine Lösung wäre. Wenn eine Aktie fällt hat dies vielleicht seine Gründe. Da kann meine Aktienanalyse noch so gut sein. Jeder kann sich irren.

Ist die Aktie selbst noch nicht sehr stark gefallen, kann man immer noch eine Reparaturstrategie anwenden. Doch bei mir ist Lufthansa gute 30 % im Verlust. Da hilft keine mir bekannte Reparaturstrategie mehr.

In meinem Regelwerk selbst steht auch nicht drin was ich machen soll^^ Also musste ich mir etwas einfallen lassen.

Zuerst die Fehleranalyse

Am Anfang musste ich mein Handeln erst reflektieren. Was ist bei Lufthansa, aber auch vor ein paar Monaten bei Ford, anders, wie z.B. bei Comcast oder Realty Income?

Nun, anders ist der allgemeine Trend. Als ich Ford und Lufthansa kaufte, blendete ich den Chart aus und schaute nur auf die Fundamentaldaten. Im Grunde schaute ich nur, ob die Aktien in meinen Augen aktuell unterbewerten sind oder nicht.

Nachdem Ford schief ging und auch Lufthansa hinter den Erwartungen zurückblieb, entschied ich mich den Chart in die Betrachtung mit einzubeziehen.

Daraus resultierten dann die Käufe bei Comcast und auch Realty Income. Beide Unternehmen bestanden meine Fundamentalanalyse, sowie die Chartanalyse.

So gibt es für diese Unternehmen sogar Regeln, wann ich verdoppeln könnte, vorausgesetzt, ich hätte das Geld. Im Endeffekt, wenn der Fall eintritt, könnte man einen PMCC aufsetzen. Dies wäre kosteneffizienter.

Doch bei Lufthansa habe ich aktuell diese Optionen nicht. Und da ich hier bereits 200 Aktien besitze, werde ich auch nicht weiter nachkaufen.

Also bleibt mir die Wahl, meine Bestände mit einem größeren Verlust zu verkaufen oder aber weiterhin Calls zu schreiben.

Warum ich Lufthansa nicht verkaufe

Ich habe mich dazu entschieden, Lufthansa nicht direkt zu verkaufen. Ich werde weiterhin Calls auf meine Bestände schreiben.

Die Calls schreibe ich dabei in einem Abstand vom aktuellen Kurs von ca. 10 %. Somit versuche ich, noch relevante Prämien einzunehmen, ohne aber direkt am Kurs verkaufen zu müssen.

Somit gebe ich den Aktien etwas Luft zum Atmen, sollten diese eine Erholung versuchen. Im Optimalfall verkaufe ich so langsam Optionen mit immer höheren Strikes, da der Kurs von Lufthansa steigt.

Sollten mir die Aktien vorher ausgebucht werden, weil diese über den Calls geschlossen haben, dann sehe ich dies als realisierten Verlust an.

Interessant wird am Ende aber sein, wie die Calls meine Verluste abgedämpft haben. Oder ob das Schreiben der Calls es letztendlich nur sinnlos herausgezögert hat.

Denn ich vergleiche mich momentan gerne mit einem typischen Buy and Hold Investor. Wer schneidet besser ab? Gerade bei fallenden Kursen hat es natürlich Vorteile, durch die Calls weitere Einnahmen generieren zu können.

Gleichzeitig aber bilden die Calls die Gefahr, die Aktien zu zeitig zu verkaufen. Oder aber die Aktien gerade in der Erholungsphase zu verkaufen. Dies sind reale und ernsthafte Probleme, auf die man sich einstellen muss.

Da aber niemand die Zukunft vorhersagen kann, ziehe ich es einfach durch und verkaufe weiterhin Calls. Denn bei Ford hatte ich mich geärgert, nicht weiter Calls verkauft zu haben.

Denn so verlor ich bei Ford einige Einnahmen, weil ich nur Calls oberhalb des Einstiegkurses verkaufen wollte.

Was ist aber mit den Aktienverlusten?

Tja, was soll damit sein? Ja, ich kann die Verluste nicht mit den Gewinnen der Optionen verrechnen. Aber ich kann die Verluste in die Zukunft mitnehmen.

Wenn meine Strategie also zukünftig besser aufgeht, werde ich wahrscheinlich auch immer wieder Aktien ausgebucht bekommen, welche im Gewinn waren.

So sollte sich dies in der Zukunft dann irgendwann ausgleichen. Die Verluste von heute, schwächen sozusagen die Steuerlast von Morgen 🙂

3 Kommentare

  1. Hallo Martin, ich möchte mal eine andere Strategie ins Rennen schicken. Wenn sich bei mir ein Denkfehler eingeschlichen hat, bitte gerne darauf hinweisen. Die Idee ist, an charttechnisch markanten Unterstützungsmarken unterhalb des Kurses eine Stop-Loss-Oder in den Markt zu setzen und parallel einen Put schreiben. Jetzt sehe ich folgende Szenarien:
    1) Der Kurs bleibt oberhalb des Strikes = Optionsprämie bleibt bei Dir, Kursgewinne ebenfalls.
    2) Der Kurs rast durch den Strike = Option und SL-Order heben sich gegenseitig auf, Optionsprämie bleibt.
    3) SL wird „abgefischt“, Kurs erholt sich aber wieder = Aktien werden ausgebucht, Optionsprämie reduziert den Verlust bzw. erhöht den Gewinn (falls SL = Strike unterhalb bzw. oberhalb des Einstiegsniveaus liegen)

    In jedem Fall wird eine nette Zusatzrendite eingespielt, die aufgrund des Skews in AOPs höher sein sollte als über das CCW. Szenario (3) stellt m.E. den worst case dar, da die Aktie ausgebucht wird und man damit bei zukünftigen Gewinnen außen vor bleibt. Der Vorteil gegenüber dem CCW ist jedoch der, dass man vollständig an den Kursgewinnen des Underlyings partizipiert. Tatsächlich ließen sich auch beide Strategien kombinieren, so dass man sowas wie einen „gedeckten Strangle“ hätte. Grundvoraussetzung für den vorgestellten Ansatz ist jedoch auch der Besitz von mindestens 100 Anteilen einer Aktiengesellschaft.

    Freundliche Grüße

    • Könnte man so machen. Die Gefahr sehe ich dann eher darin, wenn die Aktie schwankt, also den Strike des Puts durchbricht und dann wieder steigt. Denn was du nicht beachtest. Man hat bereits 100 Aktien. Verkauft du einen Put, musst du in der Stopp-Loss Oder aber 200 St. verkaufen, um die Put Option zu deckeln. Denn wird der Put angedient, bekommst du ja 100 Aktien iengebucht.

      Sollte aber die Stopp Order abgefischt werden und der Kurs steigt wieder, bist du 100 Aktien short im Markt. Der Call wäre nackt.

  2. Hallo Herr Reichelt,

    ich würde mir auch bei einem Verkauf eines Covered Call unter mit Strike unter Einstand keine Sorgen machen, es bleibt ja immer die Möglichkeit, den Kontrakt immer wieder zu rollen. Dann habe ich zwar nicht zwingend den regelmäßigen Cashflow, aber dafür den Wertzuwachs des Underlyings. Und nachdem auch an der Börse kein Baum in den Himmel wächst wird sich der Erfolg trotzdem irgendwann einstellen, wenn sich der Aufwärtstrend abschwächt oder bricht.

    Außerdem kann ja die ( bei niedrigerem Strike ) höhere Prämie wieder in einen lange laufenden Call reinvestiert werden. Damit können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

    Das „Kurssteigerungsrisiko“ wird eingedämmt und gleichzeitig kann mit den Calls ein PMCC aufgebaut werden, um die Kursverluste schneller zu kompensieren.

    Ich schreibe im Allgemeinen Calls auf deutsche Werte mit 1-2 Monaten Laufzeit und einem Strike 5-8% über Kasse, unabhängig vom Einstand.

    Viel Erfolg!

    Da Schdaadhebara

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