Buffett als Vorbild?

Fundamentalanalyse

Wer kenn ihn nicht? Warren Buffett. Der Investor schlecht hin. Das Vorbild für unzählige Anleger, vor allem im Privatbereich.

Ich habe mir die, sagen wir Autobiografie von Warren Buffett als Hörbuch zugelegt. Das Leben ist wie ein Schneeball.

Das Buch, bzw. Hörbuch bei mir, erzählt die Geschichte des größten Investors unserer Zeit.

Ich möchte dabei jetzt keine Zusammenfassung des Buches vornehmen, sondern nur meine Erkenntnisse über Buffett mit euch teilen.

Denn mir ist aufgefallen, das man die Strategie von Buffett nicht wirklich umsetzen kann, zumindest nicht alles.

 

Buffetts Grundsteinlegung an der Börse

Die Meisten wissen, das Buffett ein Schüler von Benjamin Graham ist. Er lernte somit von Graham, nach unterbewerteten Unternehmen zu suchen und zu investieren. Soweit so gut.

Dies machte Buffett viele Jahre lang sehr erfolgreich. Jedoch kam hier bereits der erste Punkt, den Buffett von einem normalen Anleger unterscheidet.

Denn Buffett nutzte die Macht des Fremdkapitals relativ zeitig. Er gründete viele Personengesellschaften nebeneinander, noch weit vor Berkshire. Durch eine ausgeklügelte Gebührenstruktur konnte er sein Eigenkapital sehr gut hebeln.

Jedoch konnte man zumindest in dieser Phase von Buffett seine Strategie bis heute für sich ebenfalls nutzen.

Suche nach unterbewerteten Unternehmen, kaufe diese und warte.

Grundsätzlich alles noch machbar für einen privaten Anleger. Auch wenn Buffett mit immer größeren Volumen anfing zu handeln, war das Grundprinzip lange Zeit gleich.

Die Strategie, „Zigarrenstummel“ (so nannte Graham die Firmen) zu suchen und in diese zu investieren, verfolgte Buffett ca. bis in seine 40ziger hinein.

Bis dahin kann man, meiner Ansicht nach, Buffett auch uneingeschränkt als Vorbild nehmen. Danach jedoch änderte sich seine Strategie soweit, das es für einen Privaten, ja selbst wenn ihr ein siebenstelliges Konto hättet, nicht mehr machbar ist, Buffett als Vorbild zu nehmen.

 

Was änderte sich?

Buffett hatte in seinen 40zigern so viel Geld angehäuft und so enorm viele Kontakte geknüpft, das sich seine Herangehensweise änderte.

Es wird nicht explizit hervorgehoben, doch wer aufmerksam liest/mithört wird es feststellen.

Buffett suchte, mehr oder weniger, nach Unternehmen, bei welchen das Potential nicht ausgeschöpft war. So fing er an, so viele Anteile von Unternehmen zu kaufen, das er ein größeres Mitspracherecht hatte und dies auch durchsetzte, wenn zu viel schieflief.

So hatte er seine „Leute“, welche er dann gerne in die Managementebenen einsetzte. Diese bauten das Unternehmen intern meist radikal um, bis diese extrem lukrativ waren und ordentliche Gewinne abwarfen.

Dabei will ich nicht sagen, das dies immer einfach war oder ein Selbstläufer. Ich erfuhr durch das Buch sehr viel über Buffett und womit er sich so rumschlagen musste. Er war genial, was er einige Male so durchboxte.

Er rettete so ganze Firmen vor feindliche Übernahmen. Firmen boten sich Buffett regelrecht zum Kauf an.

Doch immer wieder musste ich daran denken, das viele Buffett als Vorbild haben, wegen dem was er erreicht hatte. Dann musste ich auch daran denken, das es für einen Privatanleger an sich unmöglich ist, selbiges zu erreichen.

Es gab unzählige Deals die an der Börse vorbei entstanden sind. Wer also glaubt, Buffett hätte immer nur einfach Aktien gekauft, den muss ich enttäuschen. Oftmals gab es vorweg Gespräche und Verhandlungen mit dem Management oder Besitzer der Firmen, in denen der Preis der Anteile teilweise verhandelt wurde ist.

 

Ich möchte nicht Buffetts Leben leben

Abgesehen von dem geschäftlichen, wurde mein kleines Bild von Buffett selbst auch zerstört.

Buffett ist in dem Buch überraschend ehrlich. Man bekommt schnell mit, das Buffett mit vielen Dingen Probleme hat. Das geht beim essen los und endet in der Abhängigkeit von Leuten, die sich um ihn kümmern.

So brauchte Buffett sein leben Lang eine Art Mutterersatz. So kam es mir in dem Buch zumindest vor. Frauen in seinem Leben waren mehr dafür da, sich um ihn zu kümmern, die Mutterrolle zu übernehmen.

Dadurch kam ja auch letztendlich die kuriose Dreiecksbeziehung zustande. Buffett ist verheiratet, lebt aber nicht mehr mit seiner Frau zusammen. Sie und er haben im Grunde andere Lebenspartner.

Sein Privatleben ist sehr verworren. Wenn die Parteien damit zurechtkommen, ist das ja völlig in Ordnung. Ich selbst wöllte dies so nicht.

Mein Eindruck war tatsächlich folgender. So genial Buffett in Geschäften auch war/ist, so eingeschränkt, teils hilflos, ist er in Gesellschaftlichen und Sozialen belangen.

So kommt auch immer wieder hervor, das Buffett Auseinandersetzungen aus dem Weg geht. Als sich die Zusammenarbeit zwischen Buffett und Munger intensivierte, übernahm Munger das Streiten und die Rolle des „bösen“ Investors. Denn Munger ließ sich ungern in die Suppe spucken.

Buffett als Vorbild?

Wenn es um das Investieren geht, würde ich Buffett nur bis zu seinem 40zigern als Vorbild vorschlagen.

Denn bis dahin investierte er nach Regeln und in einer Art, die jeder kann. Auch arbeitete er bis dahin noch unter dem Radar.

Selbst im Buch wurde hervorgehoben, das Buffett vorsichtig mit Aussagen sein musste, als seine Bekanntheit stieg. Denn Aktien stiegen automatisch, wenn nur das Gerücht hochkam, das Buffett darin investieren möchte oder schon investiert war.

 

Ich selbst richte mich da lieber nach seinem Lehrer. Denn alles was Buffett bis zu seinen 40zigern gemacht hatte, wurde ihm von Graham beigebracht.

Vielleicht auch deshalb sein kompliziertes Privatleben? Auch Graham hatte ein durchwachsenes Privatleben. Kurzgefasst. Graham liebte Frauen ?

Somit bleiben weiterhin die Bücher von Graham eine Pflichtlektüre für Investoren und Langzeitanleger.

 

 

Interessant ist das Buch auf alle Fälle. Aber niemand sollte erwarten, hier an die Hand genommen zu werden und gezeigt zu bekommen, wie man investiert. Es ist tatsächlich eher eine Biografie von Buffett und seinen Investments. Kein Fachbuch, wie man Reich wird oder wie man unterbewertete Aktien findet.

 

 

Hat man Aktien, so zittert man, sie könnten fallen; hat man keine, so zittert man, sie könnten steigen.

Andre Kostolany

Kommentare (1)

  1. Danke für den Artikel – er gab mir zwei Denkanstöße!

    1) Warum überhaupt wie Warren Buffet sein? Die Gefahr von Rollenmodellen ist, dass sie als perfekt stilisiert werden. Genau das ist aber meistens eben nicht der Fall. Gewisse Aspekte des Rollenmodells sind bewundernswert, andere vielleicht aber abschreckend. Bei Warren Buffet scheint das für Dich das Privatleben zu sein.

    2) Warren Buffet beim Investieren imitieren zu wollen, ist glaube ich ebenfalls eine Illusion. Er hat zwei Vorteile beim Investieren, die kein anderen Investor hat: a) Er hat Zugang zu Investmentmöglichkeiten, die sonst niemandem zugänglich sind, z.B. Investments in Goldman Sachs und Bank of America während der Finanzkrise. b) Er hat einen de facto unendlichen Anlagehorizton.

    Viele Grüße
    MFF

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