Aktien Reparaturstrategie mit Optionen

Ich möchte euch heute eine Möglichkeit vorstellen, wie ihr ins Minus gelaufene Aktienpositionen schneller wieder in die Gewinnzone bekommt.

Auch möchte ich euch zeigen, wie ihr mit relativ wenig Geld, für eine gewisse Zeit, euren Kaufkurs stark senken könnt, um z.B. aus Korrekturen heraus mehr Geld zu verdienen.

 

Insgesamt sind dies zwei unterschiedliche Strategien, mit unterschiedlichem Risiko. Die erste Strategie wird es euch ermöglichen, Aktien, welche teilweise bereits 10%, 15% im Verlust sind, ohne zusätzliches Risiko, sehr viel schneller wieder in der Gewinnzone zu haben.

 

Reparaturstrategie 1 – Der Ratio Spread mal anders

Was ist ein Ratio Spread?

Bei einem Ratio Spread kauft man normalerweise eine Option, welche ATM ist. Also am aktuellen Kurs.

Gleichzeitig verkauft man zwei Optionen, welche OTM sind, also welche oberhalb (Call) oder unterhalb (Put) des aktuellen Kurses sind.

Die Idee bei einem Ratio Spread ist, das die beiden verkauften Optionen genügend Prämien einnehmen, um die gekaufte Option kostenneutral zu machen. Man will dann von Kursen profitieren, welche in die Richtung der gekauften Option gehen.

Die Gefahr eines Ratio Spreads ist allerding, das eine der verkauften Optionen immer ungedeckt ist.

Hier mal die schematische Darstellung einer Call Ratio Spreads. Ein Put Ratio Spread wäre genau umgekehrt.

 

Wie soll uns das nun aber helfen?

Wenn wir 100 Aktien besitzen, so wie es bei meiner Strategie Pflicht ist, deckeln wir den zweiten verkauften Call.

Hierzu vielleicht ein kurzes Beispiel.

 

Folgendes Szenario:

Kauf Aktie XYZ zu 100 $ und 100 Stück

Die Aktie ist jedoch gefallen und steht nun bei 85 $. Wir wollen nun unsere Reparaturstrategie anwenden.

 

Wir kaufen einen Call mit Strike 85 $ und verkaufen zwei Calls bei dem Strike 92,50 $, um den gekauften Call zu finanzieren.

Was passiert nun, wenn die Aktie anfängt zu steigen?

Unsere Aktien selber gewinnen wieder an Wert und zusätzlich unterstützt uns der gekaufte Call! Erreicht der Kurs die 92,50 $ sind wir bereits wieder bei Breakeven. Nachteil jetzt ist, das unsere verkauften Calls ab hier unsere weitere Erholung erst einmal deckeln.

Aber wir haben den Breakeven in der Hälfte der eigentlich benötigten Steigerung geschafft.

Ohne die Unterstützung des long Calls, hätte die Aktie von 85$ wieder um 17,6 % steigen müssen, das wir wieder auf Breakeven sind.

So musste die Aktie nur 8,8 % schaffen. Und das völlig kostenneutral.

 

Die Calls, welche wir verkaufen, dürfen maximal am Breakevenpunkt liegen. Diesen errechnet ihr euch recht einfach. Nehmt euren Kaufkurs und tut so, als würdet ihr gerade nochmal 100 Aktien kaufen.

In unserem Beispiel also.

100 Aktien zu 100 $ + 100 Aktien zu 85 $ (der Call) durch 2 = euer Breakevenkurs

(100 + 85) / 2 = 92,50 $

 

Unter dem Breakevenkurs solltet ihr keine Calls verkaufen. Auch müsst ihr darauf achten, das die Prämien am Breakevenkurs hoch genug sind, das sie euren long Call kostenneutral machen.

 

Die Strategie selber ist bis ca. 15 % Verlust vom Durchschnittskurs eurer Aktienposition anwendbar.

 

Reparaturstrategie 2 – schnellere Erholung nach Korrektur

Die zweite Reparaturstrategie ist speziell für Korrekturphasen gedacht und kann uns bei zwei Dingen unterstützen.

Sie zieht unseren Einstandskurs nach unten, was es uns ermöglicht, attraktivere Calls gegen unsere Bestände zu verkaufen.

Wer jedoch keine 100 Aktien besitzt, kann diese Strategie trotzdem verwenden, da sie einem hilft, für wenig Geld, in einer Korrektur „virtuell“ Aktien nachzukaufen.

 

Die Strategie ist jedoch nur anzuwenden, wenn der Gesamtmarkt steigt und auch die einzelne Aktie in einem Aufwärtstrend ist. Also wirklich nur nutzen, wenn es sich um eine kleinere Zwischenkorrektur handelt, welche man ausnutzen möchte.

 

Die Strategie ist ähnlich wie der Ratio Spread. Aber nur ähnlich.

 

In erster Linie nutzen wir den long Call, welchen wir kaufen, dafür, unseren Einstandskurs nach unten zu ziehen, um bei einer Kurserholung schneller davon zu Profitieren.

Also müssen wir auch zuerst unseren Durchschnittskurs wieder errechnen. Dazu zwei Beispiele.

 

Szenario 1:

Gehen wir wieder davon aus, wir haben die Aktie XYZ zu 100 $ gekauft. Wieder 100 Aktien.

Der Kurs steht aktuell bei 85 $ und wir kaufen einen long Call mit einer Laufzeit von 3 Monaten. Dafür zahlen wir 300 Dollar Prämie.

Nun errechnen wir unseren Durchschnittskurs.

((100 Aktien * 100 $) + (100 Aktien * 85 $) + 300 Dollar) / 200 Aktien = 94 $ Durchschnittskurs

 

Wichtig diesmal ist, das wir die gezahlte Prämie mit einrechnen, da der long Call nicht kostenneutral ist.

 

Szenario 2 – wenn man keine 100 Aktien besitzt

Gehen wir davon aus, wir haben die Aktie XYZ zu 100 $ gekauft. Diesmal aber nur 40 Aktien

Der Kurs ist wieder bei 85$ und wir kaufen wieder einen Call bei 85$ mit 3 Monate Laufzeit.

((50 Aktien * 100 $) + (100 Aktien * 85 $) + 300 Dollar) / 200 Aktien = 92 $ Durchschnittskurs

 

Man konnte also bei diesem Szenario mit nur 300 Dollar Einsatz, seinen Durchschnittskurs für die kommenden 3 Monate um 8 $ senken.

 

Gerade bei Szenario 1 ist das interessante, das wir wieder attraktivere Calls verkaufen können. Unser Durchschnittskurs der Aktien liegt bei 94 $. Wir können also mit unseren Strikes der verkauften Calls auf 94 $ runtergehen.

Als Tipp aber bitte beachten, trotzdem weiterhin nur einen Call zu verkaufen und nicht zwei. Es wären zwar beide Calls gedeckelt, aber ich selbst sehe den long Call dann gerne als Versicherung an, sollte die Aktie anfangen stark zu steigen.

So werden mir nur meine 100 Aktien ausgebucht, aber ich selbst würde immer noch das Recht besitzen, mir wieder 100 Aktien, bei einer geringeren Kostenbasis, einbuchen zu lassen.

 

Zusammenfassung:

Ihr habt nun von mir erklärt bekommen, wie ihr mit wenig Geld eure Durchschnittskurse der Aktien extrem senken könnt. Auch wenn es nur für eine gewisse Zeitspanne ist, ist dies ein mächtiges Werkzeug.

Fürs Erste mag meine Erklärung hier kompliziert wirken. Lest es euch dann nochmal durch. Oder schreibt bei Fragen in die Kommis oder mich direkt an, über das Kontaktformular.

Effizienter und mit weniger Geld, werdet ihr nicht von Korrekturphasen profitieren können oder aber in den Verlust gelaufene Aktienbestände reparieren können.

Gerade die zweite Reparaturstrategie ist für jeden geeignet. Das maximale Verlustrisiko bei der zweiten Strategie, ist die gezahlte Prämie für den long Call. Mehr könnt ihr nicht verlieren.

 

Was ich euch noch sagen muss, das ich hier Laufzeiten von 3 Monaten gewählt habe, ist kein reiner Zufall.

Ein Monat reicht meist nicht für eine Erholung. Nach drei Monaten dagegen, ist in einem gesunden Trend die Korrektur meist wieder am steigen oder komplett beendet. Unter drei Monate solltet ihr daher nicht gehen bei den Reparaturstrategien.

 

Man sollte stets auf schlechte Zeiten vorbereitet sein. Noah hat seine Arche auch nicht erst gebaut, als es schon regnete.

Willy Meurer

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